Pressemitteilung —
Mit Herz und Haltung: Anne Bertelt geht nach 29 Jahren in den Ruhestand
Wenn Anne Bertelt am 31. Juli ein letztes Mal das Tor der Hephata-Kita schließt, endet eine Ära. Fast drei Jahrzehnte lang hat sie die Integrative Kita der Hephata Diakonie geleitet – nun geht sie in den Ruhestand. Seit März 1997 war sie die Chefin der Kita, die erst 1994 eröffnet worden war. „Mein Baby ist das hier“, sagt sie mit einem Lächeln. Und wer auf ihre Laufbahn blickt, versteht schnell, warum. Kein Wunder also, dass ihr Name über viele Jahre eng mit der Kita verbunden wurde - intern wurde sogar manchmal scherzhaft von der „Anne-Bertelt-Kita“ gesprochen.
Geboren im Norden Deutschlands führte sie ihr Weg zum Studium der Sozialpädagogik nach Fulda. Ihr Anerkennungsjahr absolvierte sie an einer Grundschule in Kaufungen. „Und von dort aus ging es dann für mich als Diplom-Sozialpädagogin in die Schwalm“, erzählt sie. Zunächst arbeitete sie in einer Beratungsstelle der Jugendhilfe. Als die Leitungsstelle der Kita ausgeschrieben wurde, bewarb sie sich eher spontan. „Warum nicht?“, erinnert sie sich lachend. Dass daraus fast 30 Jahre werden würden, hätte sie damals selbst nicht gedacht. „Aber hier konnte ich mich jeden Tag für das einsetzen, was mir wichtig ist“, sagt sie.
Und während des Gesprächs wird auch schnell deutlich was: Wer sich die junge Anne Bertelt den ganzen Tag bastelnd und malend vorstellt, liegt daneben. „Natürlich habe ich immer meine Runden durch die Gruppen gemacht. Für die Kinder war ich immer die Anne Bertelt. Aber mein Arbeitsplatz war dieses Büro.“ Von dort aus setzte sie sich über viele Jahre für die Weiterentwicklung der Kita ein – und für mehr Professionalität und Anerkennung des Erzieherberufs. „Wir müssen weg von dem Bild, dass wir nur die Kinder ein bisschen bespaßen“, betont sie. Deshalb engagierte sie sich in Fachgremien und Arbeitsgruppen. Selbst auf Demos scheute sie sich nicht vor 2000 Menschen für mehr Wertschätzung des Erzieherberufes zu sprechen. Hinzu kämen Probleme wie Fachkräftemangel, große Gruppen und befristete Förderprogramme. Ihr Wunsch an die Politik ist deshalb eindeutig: „Wir brauchen eine bessere Ausstattung der Kitas, kleinere Gruppen, verlässliche Finanzierung und mehr Wertschätzung für die pädagogische Arbeit.“
Und sie weiß, wovon sie spricht. Im Laufe der Jahre stellte sie ungezählte Förderanträge, organisierte Projekte und kämpfte immer wieder für zusätzliche Unterstützung ihrer Einrichtung. „Wir müssen gute Angebote schaffen, damit Kinder entdecken, erforschen und lernen können.“ Mit Erfolg: Im Jahr 2009 erhielt die Kita das Qualitätssiegel „Bewegungskindergarten“ des Hessischen Landessportbundes und seit 2018 nimmt sie teil am Programm „Sprach-Kita, weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“
Und obwohl ihre Arbeit oft vom Schreibtisch aus stattfand, richtet sich ihr Blick immer auf die großen gesellschaftlichen Themen: „Hier in der Kita formen wir die Zukunft“, sagt sie. Vielfalt, Inklusion und Zusammenhalt seien Werte, die bereits im frühen Kindesalter vermittelt werden müssten. Und das versuchte sie mit ihrem Team immer im Alltag der Kita zu integrieren: „Es ist normal, verschieden zu sein. Wir leben das hier jeden Tag“, sagt sie. Jedes Kind solle erleben, dass es willkommen ist und dazugehört. Dafür setze sich ihr Team stets ein.
Und mit Team meint sie mittlerweile 25 Mitarbeitenden – als sie 1997 startete bestand das Team aus sieben Kolleginnen. Auch auf diese Entwicklung ist sie stolz. Ein weiteres Herzensanliegen war für sie die Ausbildung des pädagogischen Nachwuchses. Über die Jahre begleitete die Kita zahlreiche Praktikantinnen und Praktikanten, Erzieher*innen im Anerkennungsjahr, Auszubildende und Studierende. Als Teil der Hephata Diakonie genoss die Kita außerdem über die Jahre viele Möglichkeiten. „Die enge Vernetzung mit anderen Bereichen von Hephata hat uns vieles erleichtert – egal ob Hauswirtschaft, Betriebstechnik oder andere Dienste“, sagt sie.
Und inhaltlich? Auch da hat sich die Arbeit in Kindertagesstätten während ihrer Zeit stark verändert. „Früher stand vor allem die reine Betreuung der Kinder im Mittelpunkt. Heute gehören Bildung, Erziehung und Förderung selbstverständlich dazu. Beziehung geht vor Bildung“, lautet bis heute einer ihrer wichtigsten Leitsätze. Kinder bräuchten zunächst stabile Beziehungen und Vertrauen. „Erst dann können sie lernen und sich entwickeln“, ist sie der festen Überzeugung.
Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Kita auch organisatorisch stetig weiter. Als eine der ersten Einrichtungen in der Region führte sie ein umfassendes Qualitätsmanagement ein. Zwei Jahre arbeitete das Team an einem Qualitätsmanagement-Handbuch, das bis heute die Grundlage vieler Abläufe bildet. „Auch das haben wir gemeinsam geschafft“, sagt sie rückblickend.
Und da ist es verständlich, dass nach allem, was sie mit ihrem Team gemeistert hat, der Abschied nicht leichtfällt. Besonders der tägliche Kontakt zu den Kolleginnen und den Kindern werde ihr fehlen. „Von Vollzeit auf null – das ist schon eine Hausnummer“, sagt sie. Dabei habe sie immer versucht, ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und als Zweifach-Mutter Familie und Beruf miteinander zu verbinden. Gleichzeitig freut sie sich auf den neuen Lebensabschnitt. „Mal ein Buch am Stück lesen“, mehr Zeit für Familie und Freunde, für Besuche bei ihren Geschwistern – und vor allem die Möglichkeit, vieles etwas ruhiger anzugehen.
Für die Zukunft ihrer Kita hat sie einen klaren Wunsch: „Ich hoffe, dass sich die Einrichtung weiterentwickelt, dass das Team die Freude an der Arbeit behält und die nötigen Ressourcen erhält, um Kindern auch künftig die bestmöglichen Chancen zu geben.“ Künftig wird Ilona Pinhard die Leitung der Hephata Kita übernehmen. Die gelernte Erzieherin und Sozialpädagogin war zuletzt als Leiterin in einer Marburger Kita tätig.
Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze hinterlässt Anne Bertelt nun nicht nur eine moderne Kindertagesstätte. Sie hinterlässt auch eine Haltung: Professionalität, Wertschätzung und die Überzeugung, dass frühkindliche Bildung zu den wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft gehört. Wenn sich also am 31. Juli das Tor der Hephata-Kita hinter ihr schließt, endet für Anne Bertelt ein bedeutendes Kapitel. Ihr „Baby“ ist längst gewachsen – getragen von einem starken Team, klaren Werten und der Überzeugung, dass jedes Kind dazugehört.
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Hephata engagiert sich als diakonisches Unternehmen seit 1901 in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins für Menschen, die Unterstützung brauchen, gleich welchen Alters, Glaubens oder welcher Nationalität. Wir sind Mitglied im Diakonischen Werk. Hinter unserem Unternehmensnamen steht ein biblisches Hoffnungsbild: während Jesus einen Mann heilt, der taub und stumm ist, spricht er das Wort „Hephata“. (Markus 7, 32-37)
In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.
Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.
Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.
Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.