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Haben den Alltag im Seniorenwohnheim in Neustadt im Griff: von links Nada El Barre, Bewohnerin Valentina Militschenko und Adam Balogh.

Pressemitteilung

Plötzlich Chef*in: Pflegeschüler*innen übernehmen den Alltag im Seniorenheim

Als Adam Balogh an diesem Morgen den Medikamentenplan prüft, Telefonate mit Ärzten führt und Neuaufnahmen organisiert, ist schnell klar: Das hier ist kein gewöhnlicher Ausbildungstag mehr. Der 27-Jährige, der normalerweise in der Hephata Fachklinik für Psychiatrie eingesetzt wird, übernimmt im Seniorenwohnheim Wiesenhof in Neustadt plötzlich Aufgaben einer examinierten Pflegefachkraft – mitten im laufenden Betrieb.

Denn, hier haben aktuell Pflegeschüler*innen die Leitung übernommen. Aktuell läuft das Praxisprojekt „Schüler leiten ein Altenheim“. Für drei Wochen übernimmt der gesamte Examenskurs der generalistischen Pflegeausbildung der Hephata Akademie für soziale Berufe gemeinsam mit der hsde Hephata Soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) die Verantwortung für den Alltag der vollstationären Einrichtung mit 45 Pflegeplätzen. Ein Projekt, das nicht nur die angehenden Pflegekräfte fördert – sondern auch den Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekommt. Denn im Wiesenhof ist derzeit vor allem eines spürbar: Zeit. Zeit für Gespräche. Zeit für Betreuung. Zeit für Zuwendung.

„Unsere Bewohner*innen bemerken, dass plötzlich mehr Personal zur Verfügung steht – das ist super“, sagt Pflegedienstleiterin Monja Knoch. 20 angehende Pflegefachkräfte sind während des Projekts auf Früh- und Spätschichten in dem Seniorenheim verteilt. Sie übernehmen – eng begleitet von Praxisanleitungen und Lehrkräften – Aufgaben, die sonst examinierten Fachkräften vorbehalten sind: Medikamentenmanagement, Wundversorgung, Pflegeplanung, Dokumentation, Tourenplanung oder Arztkontakte.

„Die Schülerinnen und Schüler erleben hier die gesamte Komplexität professioneller Pflegearbeit“, erklärt auch Monica Girardi, Abteilungsleiterin der Hephata Akademie für soziale Berufe. „Sie lernen nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern übernehmen Verantwortung für pflegerische Prozesse, Teamarbeit und den Alltag einer gesamten Einrichtung.“

Und genau das macht das Projekt so besonders: Die Auszubildenden arbeiten nicht im geschützten Übungsraum – sie arbeiten im „Echtmodus“, erklärt auch Einrichtungsleiterin Katja Weitzel-Peter. Schon Wochen vor Projektbeginn wurden die Schülerinnen und Schüler vorbereitet. Bewohnerprofile wurden vorgestellt, Brandschutzunterweisungen durchgeführt, Abläufe besprochen, „Das war eine intensive Vorbereitung und trotzdem bleibt jeder Tag anders, aber es hat sich gelohnt“, sagt auch Monja Knoch.

„Wenn man die Bewohner noch nicht gut kennt, ist das am Anfang etwas schwerer, oder falls es am Morgen eine Krankmeldung gibt, dann müssen wir umplanen, schauen, wo wir Ersatz herbekommen – das ist bei allen anderen Aufgaben eine zusätzliche neue Herausforderung“, erzählt Nada El Barre. Die 27-Jährige stammt aus Marokko und pendelt seit Beginn ihrer Ausbildung täglich mit dem Zug von Schwalmstadt nach Neustadt. Ende September wird sie ihr Examen ablegen. „Am ersten Projekttag war ich direkt als Fachkraft eingeteilt. Ich habe Bestellungen gemacht, Medikamente vorbereitet und Dokumentationen übernommen“, sagt sie. „Das hilft enorm, um sich auf den nächsten Schritt vorzubereiten. Wir lernen hier, vor allem auch Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Balogh.

Begleitet werden die Schüler*innen eng durch Praxisanleitungen und das Stammpersonal, was im Vorfeld des Projekt intensiv geplant wurde, denn neben dem Stammpersonal sind auch Lehrer*innen der Hephata Akademie zu einigen Zeiten vor Ort. „Natürlich bleiben wir im Hintergrund erreichbar. Aber die Auszubildenden sollen erleben, dass professionelle Pflege weit über Routinetätigkeiten hinausgeht“, sagt Katja Weitzel-Peter.

„Denn moderne Altenpflege ist hochkomplex geworden“, erklärt Oliver Pappert, Geschäftsführer der hsde. Pflegefachkräfte müssten heute mit multiplen Krankheitsbildern, dementiellen Veränderungen, palliativen Situationen und medizinischen Anforderungen umgehen. Gleichzeitig koordinieren sie Abläufe, dokumentieren Maßnahmen und arbeiten eng mit Ärzten und Angehörigen zusammen. In dem Projekt sieht er einen entscheidenden Baustein moderner Ausbildung: „Unsere Auszubildenden sollen frühzeitig erleben, dass professionelle Pflege Lebensqualität gestaltet und enorme fachliche Verantwortung trägt.“

Für den Standort Neustadt ist das Projekt zudem ein wichtiger Schritt gegen den Fachkräftemangel. "Im Mittelpunkt des Projekts steht für uns die qualitativ hochwertige praktische Ausbildung angehender Pflegefachkräfte und die Förderung professioneller Handlungskompetenz im Pflegealltag", sagt Katja Peter-Weitzel. Und das Konzept scheint aufzugehen: Bereits zwei Teilnehmende des Projekts haben sich für einen späteren Arbeitsvertrag entschieden.

Die Rückmeldungen aus dem Haus seien durchweg positiv, berichten die Verantwortlichen. Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. „Unsere Bewohner*innen bemerken auch, dass wir deutlich mehr Zeit für sie haben“, sagt Katja Weitzel-Peter.

Vielleicht, weil im Wiesenhof gerade sichtbar wird, worum es in der Pflege eigentlich geht: Verantwortung übernehmen – und Menschen dabei nicht aus dem Blick verlieren.

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In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.

Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.

Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.

Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.

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