Pressemitteilung —
Hephata: Ursula Nölker geht in Ruhestand
Per Luftlinie sind es 200 Meter von ihrem Haus. „In Wommen lebt man mit dem Stift. Ich hoffe, dass die Klientinnen und Klienten auch weiterhin Teil der Gemeinschaft sein werden“, sagt Ursula Nölker. Die 64-Jährige geht zum 31. Mai in den Ruhestand.
In Wommen lebt man nicht nur wie selbstverständlich mit dem Margot-von-Schutzbar-Stift. 34 Jahre lang war damit auch der Name Ursula Nölker eng verbunden, 26 Jahre davon in Diensten der Sozialen Rehabilitation Hephatas und lange als Einrichtungsleiterin. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt Ursula Nölker, die im Erstberuf Industriekauffrau ist.
„Ich bin ein Babyboomer, es war schwer, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden. Meine Eltern haben gesagt: Wir können Euch kein Geld mitgeben, aber Bildung. Vor allem war es meiner Mutter wichtig, dass ich mein eigenes Geld verdienen kann.“ Das funktionierte nach der Ausbildung auch gut. Ursula Nölker heiratete, wurde Mutter eines Sohnes, lebte in Herleshausen und arbeitete für eine Spedition an der innerdeutschen Grenzkontrollstelle. Doch mit dem Mauerfall wurde sie arbeitslos, der darauf folgende Arbeitgeber ging in Konkurs. Durch Zufall erfuhr sie, dass im Margot-von-Schutzbar-Stift eine Stelle in der Verwaltung frei war.
Allein unter Diakonissen
So wurde sie 1992 die erste Verwaltungs-Angestellte des Stifts, die nicht selbst Diakonisse war. Das Stift befand sich damals in Trägerschaft des Marburger Diakonissenmutterhauses Hebron, mit Diakonisse Reintraud Radszuweit als Einrichtungsleiterin. Ursula Nölker übernahm 1995 die Verwaltungsleitung und arbeitete eng mit ihr zusammen: „Ich habe sehr viel von ihr gelernt.“ Doch bereits 1996 wurde ein neuer Träger für das Stift gesucht.
Die Suche und Zusagen der Behörden gestalteten sich schwierig: 1999 stand das Stift - damals ein Alten- und Pflegeheim mit 77 Plätzen, zehn davon für Menschen mit Behinderungen - vor dem Aus. Ursula Nölker war seinerzeit in der Mitarbeitendenvertretung tätig. Als der Schließungsbeschluss kam, weinten sie, ihre Kolleg*innen und die Klient*innen zusammen. Dann schlief Ursula Nölker eine Nacht darüber und beschloss: „Wenn wir untergehen, dann mit erhobenem Kopf und der Gewissheit, alles versucht zu haben!“ Sie regte erneute Gespräche mit dem Ministerium, dem LWV, der Pflegeaussicht und Gemeinde, dem Diakonissenmutterhaus und Hephata-Vorstand an. Zusätzlich unterschrieben 6.000 Menschen der Region eine Resolution – mit Erfolg: Die Hephata Diakonie wurde zum Januar 2000 Trägerin des Stifts.
Ursula Nölker übernahm 2001 die Heimleitung. Parallel absolvierte sie die Ausbildung zur Heimleiterin. „Meine Arbeit habe ich auch gut durch die Haltung, die ich von Schwester Reintraud erfahren habe, geschafft: Allen Menschen gegenüber eine zugewandte und positive Art zu haben, wertschätzend zu sein. Trotzdem aber auch Dinge beim Namen zu nennen und optimistisch an die Lösung von Problemen zu gehen. Und auch meine kaufmännische Ausbildung ist von Vorteil gewesen, ich konnte mit Zahlen und mit Menschen umgehen.“
Das war auch hilfreich beim Umbau und der Erweiterung des Stifts von 2004 bis 2009. Seitdem umfasst das Margot-von-Schutzbar-Stift ein Alten- und Pflegeheim mit 13 Plätzen. Eine Wohnpflegeeinrichtung für 51 jüngere Menschen mit psychischen Behinderungen und/oder Abhängigkeitserkrankungen. Eine Besondere Wohnform für 25 Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und psychischen Behinderungen. Sowie 25 Plätze im ambulanten Wohnen und drei Klient*innen im begleitete Wohnen in Familien.
Ursula Nölker trug als Einrichtungsleitung die Verantwortung für alle Angebote des Stifts, das Budget und 100 Mitarbeitende: „Wir haben Jahre lang Umzüge gestemmt, Konzepte angepasst und neu gedacht, Kolleginnen und Kollegen geschult. Das war eine intensive Zeit.“ Zeitgleich erwarb sie an der Hochschule Fulda Soziale Arbeit ihren Abschluss als Sozialarbeiterin.
Der Blick nach außen
Danach kam die Tätigkeit als Regionalleiterin, die Ursula Nölker neben der Leitung der Besonderen Wohnform und des ambulanten Wohnen sowie der Budget- und Personalverantwortung für das gesamte Stift übernahm. „Mein damaliger Chef hat gesagt: Übernehmen Sie die Regionalleitung. Sie brauchen auch den Blick nach außen, damit Sie innen etwas bewirken können. Ich habe mich dann als Stimme für unsere Menschen gesehen.“ Das war auch danach ihr Ziel, als sie 2023 zur Fachberaterin Personenzentrierte Teilhabe des Geschäftsbereichs wurde.
Seitdem war Ursula Nölker viel in Gremien unterwegs und leistete Netzwerkarbeit. „Ich habe wie ein Schwamm viel von außen aufgenommen und von uns nach außen getragen.“ Sie übernahm zudem Schulungen für Kolleg*innen, unter anderem zum Teilhabeinstrument PiT (Personenzentrierte integrierte Teilhabeplan) sowie den Themen Dokumentation, Wirksamkeitsanalyse und Gewaltprävention. „Das war ein Geschenk, am Ende meines Arbeitslebens ohne Budget- und Personalverantwortung noch mal intensiv fachlich arbeiten zu können.“
Engagement im Ruhestand
Damit soll auch im Ruhestand nicht Schluss sein, jedoch in einem anderen Setting. „Ich werde mich weiter im Kirchenvorstand engagieren und dort auch an einem Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt mitarbeiten. Aber nach 48 Jahren Berufstätigkeit möchte ich die Tage ohne große Terminplanungen und das Aufstehen um 5:30 Uhr beginnen.“ Stattdessen will sie lieber Zeit mit ihrem Mann, ihren beiden Enkelinnen, dem Lesen, Wandern und mit Freunden teilen.
Das Stift wird sie dabei trotzdem im Blick haben, vermutlich nicht nur aus 200 Metern Luftlinie. „Ich habe immer gerne gearbeitet. Ich bin auf Menschen getroffen, die mir vertraut und Dinge zugetraut haben. Ich bin auch dankbar, so ein tolles Team gehabt zu haben, auf das ich mich immer verlassen konnte. Und ich werde auch die Klientinnen und Klienten vermissen.“
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Hephata engagiert sich als diakonisches Unternehmen seit 1901 in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins für Menschen, die Unterstützung brauchen, gleich welchen Alters, Glaubens oder welcher Nationalität. Wir sind Mitglied im Diakonischen Werk. Hinter unserem Unternehmensnamen steht ein biblisches Hoffnungsbild: während Jesus einen Mann heilt, der taub und stumm ist, spricht er das Wort „Hephata“. (Markus 7, 32-37)
In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.
Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.
Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.
Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.