Pressemitteilung —
Hephata-Campus: EHH-Studium auch berufsbegleitend und online möglich
Berufsbegleitend und größtenteils online Soziale Arbeit studieren – das ist ab Oktober 2027 auch am Studienstandort der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) auf dem Hephata-Stammgelände in Schwalmstadt-Treysa möglich. Grundlage dafür ist die Neugründung der EHH mit künftig zwei Standorten in Darmstadt und Treysa.
Holger Koller war schon oft kurz davor gewesen, ein Studium zu starten. Jedes Mal gab es aber Gründe, die dagegen sprachen: Familie, Beruf und die Frage, ob er sich das in seinem Alter noch antun muss. Im November 2023 wagte der damals 48-Jährige es dann doch: Er begann ein berufsbegleitendes Studium der Sozialen Arbeit. Im April dieses Jahres gab er seine Bachelorarbeit ab: „Es war anstrengend, aber die richtige Entscheidung. Es ist fast nie zu spät, nochmal einen neuen Weg zu gehen.“
Einfacher wäre es anders rum gewesen. „Ich hätte das Studium gleich nach der Ausbildung zum Erzieher dranhängen sollen“, sagt Holger Koller. Doch damals war er bereits 33 Jahre und Familienvater, also stand erstmal das Geldverdienen im Vordergrund. Und der Job im sozialen Bereich war ja auch ursprünglich gar nicht sein beruflicher Plan gewesen. „Ich wollte nach der Realschule Koch und Hotelkaufmann werden, gerne in der Region bleiben und irgendwann vielleicht sogar ein eigenes Lokal haben. Davon haben mir aber alle abgeraten, unter anderem wegen der Schicht- und Wochenenddienste. Im Nachhinein muss ich darüber schmunzeln. Die habe ich in meinem heutigen Beruf schließlich auch.“
Die Alternative war damals eine Ausbildung zum Schreiner. Holger Koller arbeitete anschließend einige Jahre im Handwerk und in der Industrie. Über seine Frau, die eine Ausbildung zur Erzieherin an der Hephata-Akademie für soziale Berufe machte, kam er mit dem sozialen Bereich in Kontakt. Nach einem Praktikum und mithilfe eines Bildungsgutscheins der Agentur für Arbeit begann er mit 30 Jahren selbst eine Ausbildung zum Erzieher. „So hat sich mein Berufsweg Schritt für Schritt entwickelt.“
Studium bringt mehr Verantwortung und Mitgestaltung
Bereits während seiner Erzieherausbildung arbeitete Holger Koller in der Jugendhilfe Hephatas. Danach führte ihn sein Weg zunächst in die Soziale Teilhabe und später wieder zurück in die Jugendhilfe nach Treysa. Es folgte ein Abstecher zur Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Rhön-Grabfeld in Merzhausen, bevor er im Oktober 2019 zu Hephata zurückkam und im Geschäftsbereich Soziale Rehabilitation durchstartete. Hier übernahm er im Januar 2022 die Aufgabe des stellvertretenden Einrichtungsleiters der Batzenmühle. Damit kamen neue Aufgaben und mehr Verantwortung. Gleichzeitig wurde die Frage nach einem Studium der Sozialen Arbeit wieder konkreter. „Ich habe viele Jahre gerne als Erzieher gearbeitet und hatte nie das Gefühl, unbedingt studieren zu müssen. Aber Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte haben mich immer wieder darin bestärkt, mich weiterzuentwickeln.“
Heute ist Koller froh über seine Entscheidung. „Das Studium hat meinen Blick auf viele Dinge noch einmal erweitert. Ich konnte vieles aus meiner langjährigen Praxis mit dem theoretischen Wissen verbinden und manche Dinge noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.“ Dabei gehe es ihm nicht nur um berufliche Entwicklung: „Für mich ist vor allem wichtig, mehr Verantwortung übernehmen und Dinge aktiv mitgestalten zu können.“
Studieren an der EHH neben dem Beruf
Der heute 52-Jährige studierte an der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) berufsbegleitend und hauptsächlich online. „Ich habe studiert und das Maximum, das ging, gearbeitet, anders hätte das bei mir finanziell auch gar nicht funktioniert.“ Einfach war das nicht. Holger Koller war der Älteste seines Studienjahrgangs, gleichzeitig befanden sich seine beiden Kinder in ihren Berufsausbildungen. „Da gab es durchaus Zeiten, in denen ich mich gefragt habe, warum ich mir das eigentlich noch antue. Aber man wächst da hinein, organisiert sich anders und merkt irgendwann, dass das Ziel immer näherkommt. Rückblickend hat sich die zusätzliche Belastung auf jeden Fall gelohnt.“
Holger Koller fühlt sich in der Sozialen Rehabilitation Hephatas zu Hause. „Das ist der Bereich, der mir am meisten Spaß bringt, in dem ich mich beruflich sehr wohl fühle. Es kommen oft Menschen zu uns, die zum Teil gerade eine Entgiftung hinter sich haben, und manchmal tatsächlich nur mit zwei Plastiktüten vor der Tür stehen. Dann geht es erst einmal darum, gemeinsam wieder Ordnung und Struktur ins Leben zu bekommen, Vertrauen aufzubauen und Perspektiven zu entwickeln.“
Beziehungsarbeit auf Augenhöhe
Für Koller ist dabei die professionelle Beziehungsarbeit ein wesentlicher Bestandteil sozialer Arbeit. „Fachwissen gehört natürlich dazu, aber am Ende arbeitet man mit Menschen. Respekt, Augenhöhe und ein wertschätzender Umgang sind für mich ganz entscheidend.“ Ebenso wichtig seien Selbst- und Mitbestimmung, verbunden mit klaren Strukturen und Verlässlichkeit. Dabei bringe jeder Kollege und jede Kollegin neben dem Fachwissen auch eigene Interessen mit.
Koller selbst ist in seinem Heimatort Steina in verschiedenen Vereinen aktiv, engagiert sich bei der Feuerwehr, kommunalpolitisch und hat gemeinsam mit einem Nachbarn den Gemischten Chor Steina gegründet. „Ich habe dadurch auch privat mit ganz vielen Menschen zu tun. Das Soziale begleitet mich von klein auf.“
Diese Haltung möchte Koller auch an seine nächste berufliche Station mitnehmen. Zum Januar 2027 wechselt er innerhalb der Sozialen Rehabilitation Hephatas ins Marta-Mertz-Haus in Treysa und übernimmt dort die Einrichtungsleitung. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Natürlich ist mir bewusst, dass damit neue Herausforderungen und eine andere Verantwortung verbunden sind.“ Und auch sein nächstes Lernprojekt steht schon an: „Das betrifft komplexere Computer-Anwendungen. Da bin ich nicht so fit, wie ich gerne wäre. Aber man lernt nie aus und sollte sich nicht zu schnell von Gedanken wie ‚Dafür bin ich zu alt‘ oder ‚Das schaffe ich neben der Arbeit sowieso nicht‘ abhalten lassen.“
- Das Studium der Sozialen Arbeit (B.A.) ist am EHH-Standort Schwalmstadt-Treysa auf dem Hephata-Stammgelände ab Wintersemester 2027/28 auch berufsbegleitend und größtenteils online möglich. Gegenwärtig finden die kurzen Präsenzphasen noch in Kassel statt. Für Erzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen gibt es ein verkürztes Studienangebot. Nähere Informationen unter www.eh-hessen.de, Telefon: 06151 8798-404 und E-Mail: gabriele.pluemacher@eh-hessen.de
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Hephata engagiert sich als diakonisches Unternehmen seit 1901 in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins für Menschen, die Unterstützung brauchen, gleich welchen Alters, Glaubens oder welcher Nationalität. Wir sind Mitglied im Diakonischen Werk. Hinter unserem Unternehmensnamen steht ein biblisches Hoffnungsbild: während Jesus einen Mann heilt, der taub und stumm ist, spricht er das Wort „Hephata“. (Markus 7, 32-37)
In evangelischer Tradition arbeiten wir in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe, in der Rehabilitation Suchtkranker, in Psychiatrie und Neurologie, in der Heilpädagogik, der Wohnungslosenhilfe, in Förderschulen und der beruflichen Bildung. In unserer Tochtergesellschaft Hephata soziale Dienste und Einrichtungen gGmbH (hsde) bieten wir zudem an mehreren Standorten ambulante und stationäre Hilfen für Seniorinnen und Senioren an.
Wir bilden Mitarbeitende für verschiedene Berufe der sozialen und pflegerischen Arbeit, auch in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt, aus. Wir legen Wert auf eine theologisch-diakonische Qualifikation.
Hephata Diakonie beschäftigt aktuell mehr als 3.000 Mitarbeitende. Sie arbeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern, sind gut qualifiziert und entwickeln die Leistungsangebote zukunftsorientiert weiter. Diakone und Diakoninnen und Interessierte organisieren sich in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata.
Hephata Diakonie ist in Hessen und angrenzenden Bundesländern tätig. Der Sitz unseres Unternehmens ist seit Beginn in Schwalmstadt-Treysa.